Bochum

Frische Ideen für Bochum - Jugendforum

Freie Meinungsentwicklung der Jugendlichen fördern

„Vor einer Dönerbude wurden meine Freunde und ich von der Polizei verjagt, weil der Besitzer Angst hatte, dass wir ihn überfallen“, erzählt einer der rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Jugendforums in Bochum. Solche Szenen habe er schon öfter erlebt, in seinem Stadtteil Laer sei kein Platz, an dem er und seine Freunde sich aufhalten können.

Häufig werden sie vertrieben oder bekommen sogar Platzverbot. Ein gutes Freizeitangebot für Jugendliche fehle, vor allem in diesem Stadtteil, aus dem an diesem Samstag viele Jugendliche zum Jugendforum gekommen sind. Und die Gruppe findet eine mögliche Lösung für die Problematik: Das Jugend- und Freizeitheim in Laer könnte an einem Tag in der Woche länger auf haben und so einen Treffpunkt bieten.

Eine Anlaufstelle benötigen auch homosexuelle Jugendliche. Nur wenige können offen damit umgehen und wenn sie es tun, werden sie als „Schwuchtel“ oder „Leckschwester“ beschimpft. Der Workshop „Sexuelle Vielfalt“ bietet eine Möglichkeit, sich mit dieser Problematik auseinander zu setzen. In Erfahrungsberichten erzählten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Situationen, die sie selbst erlebt haben. „Dreh dich um und guck weg“, ist noch die harmloseste Anmache, die in der Runde erzählt wird.

Die Gruppe überlegt, wie solche Situationen vermieden werden können. Ein Ansatz ist, dass Rollenklischees in der Gesellschaft aufgebrochen werden. Es soll möglich sein, dass Mädchen mit Autos und Jungen mit Barbies spielen. Außerdem sollen Sexualität und Homosexualität Teil des Lehrplans sein, wie eine Teilnehmerin fordert. So könntze manche Klischees gar nicht erst entstehen und Unwissenheit vorgebeugt werden.

In der Pause gibt es neben leckerer Pizza auch die Gelegenheit, die Angebote des Falkenheims, in dem das Jugendforum stattfand, zu nutzen. So spielen einige Billard oder Kicker. In einer lockeren Atmosphäre unterhalten sich Jugendliche und Erwachsene über das bisher erlebte.

Bevor es in den Workshops weitergeht, gibt  es auch noch ein bisschen Musik von der Rambo-Band, einer Gruppe, die sich bei der Rosa Strippe zusammengefunden hat. Die Rosa Strippe ist eine Bochumer Organisation, die Homosexuellen Hilfe in allen Bereichen anbietet. Nach zwei Liedern gibt die Band das Mikro dann an Teilnehmerin Awa weiter, die mit selbstgeschriebenen Texten zur Unterhaltung beiträgt.

Zu wenig Angebote

Nach Unterbrechung geht es in die zweite Phase der Workshops. Beim Themenbereich Schule und Inklusion werden Forderungen an die Schulen gestellt, um das Schulleben zu verbessern. Beim Wort Inklusion wird darauf hingewiesen, dass es zurzeit ein Projekt gibt, wo behinderte Kinder und Jugendliche in normale Schulklassen gesetzt werden. Inklusion sei keine Integration, stellt die Gruppe später im Abschlussplenum fest, schließlich sei dies nicht notwendig, weil Andersartigkeit dazugehöre.

Es geht neben ernsten Themen und traditionellen Moderationskärtchen auch kreativ zu, zum Beispiel beim Streetart-Workshop. Hier setzen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem kulturellen Angebot ihrer Heimatstadt auseinandersetzen.

Lissy, Lara, Yvonne und Lea (alle 12) wollen mehr Angebote für die Gruppe 12- bis 16-jährigen haben. „Auf den Familienfesten gibt es immer nur was für die Kleinen oder die Erwachsenen, für uns gibt es nichts“, sagt Yvonne. Was sie sich stattdessen wünsche? „Auf den Festen könnte man auch Wettbewerbe im Tanzen, Singen oder Radschlagen veranstalten“, antwortet sie ohne zu überlegen.

Neben den Kritikpunkten machen sich die Kinder und Jugendlichen Gedanken zu den Problemen ihrer Stadt. Und sie überlegen, wie sie ihre Ideen umsetzen können. So werden die Kritik- und Pluspunkte auf Holztafeln in bunten Farben festgehalten und bewertet.

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Jugendforum“, sagt Regine Hammerschmidt vom Jugendring Bochum und Leiterin des Jugendforums. „Bewusst haben wir die Themen nicht eingegrenzt. Wir wollten  die freie Meinungsentwicklung der Jugendlichen fördern“, sagt sie weiter.

An den Ergebnissen der insgesamt vier Workshops kann man erkennen, dass sich die Jugendlichen Bochums aktiv an der Veränderung der Jugendpolitik beteiligen wollen. Deutlich wurde dies auch durch eine Umfrageaktion des Jugendrings, die im Vorfeld stattgefunden hat.
500 Jugendliche aus Bochum haben Fragen zur Attraktivität der Stadt und ihren persönlichen Veränderungswünschen beantwortet. „Nach dem Erfolg heute ist eine weitere Veranstaltung nicht ausgeschlossen“, resümiert Veranstalterin Regine Hammerschmidt.

Videos:

Stimmen:

„Ich bin hier, weil ich in Laer etwas verändern möchte. Die Jugendlichen sollen einen Platz haben, wo sie niemanden stören.“    
Maurice (17)

„Für uns ist es wichtig, dass die Politikerinnen und Politiker wissen, was die Jugendlichen denken. Wie sollen sie sonst Politik für uns machen? Wir haben die Hoffnung, dass sich durch die Initiative umdenken – jungdenken!  etwas ändert. Solche Sachen sollten viel häufiger gemacht werden.“
Swetlana (22) und Silja (17)

„Wir haben in unserem Stadtteil Laer ein schlechtes Freizeitangebot und wenn wir uns auf der Straße aufhalten, werden wir weggeschickt. Darum sind wir heute hier, wir wollen etwas in Bochum-Laer verändern.“
Ali und Ömer (beide 14)

"Ich möchte erreichen, dass in Zukunft die Jugendlichen, die so alt sind wie wir heute, mehr Möglichkeiten haben, draußen etwas zu unternehemen."
Edin (17)

Impressionen:

Aus Bochum berichteten:
Stella Kluge (Text & Fotos) und Saskia Westerhausen (Fotos und Interviews)

TERMIN JUGENDFORUM

22. Juni 2013

ORT

Falkenheim
Akademiestraße 69
44789 Bochum

Veranstalter

Kinder- und Jugendring Bochum e.V. 
Neustraße 7
44787 Bochum

Tel.: 0234-43880930
Fax.: 0234-43880911
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